der globuskrawall
Zu einer neuen Demonstration wurde mittels eines blauen Flugblattes aufgerufen, in welchem nebenbei der Stadtrat verspottet wurde. Es war folgender Text zu lesen:

·Wir sind brave Kinder - wir bauen uns ein "Altersheim"
·Treffpunkt auf jeden Fall für alle: Samstag, den 29. Juni, um 19.00 Uhr vor dem Globus-Provisoriumg
·Unbedingt mitnehmen: Baumaterial, Holz, Latten, Stangen, Bretter, Nägel, Hämmer usw.

Gemäss der FASS war der letzere Spruch mit Baumaterialien als Spass gemeint. Das dieser jedoch nach all den vorherigen Geschehnissen missverstanden werden konnte, war klar. Denn es gab auch viele jugendliche Chaoten, welche an eine Demonstration gehen, um nur Krawall zu machen.

Am Samstag versammelten sich schon um 18.00 Uhr Jugendliche vor dem Globusprovisorium, in welchem sich schon seit dem Mittag die Polizei einquartiert hatte. Kurz vor 19.00 Uhr war die Menschenmenge auf über tausend Personen angewachsen. Die Jugendliche liessen sich überall nieder: auf der Strasse, auf den Tramschienen usw. Der Chef der Stadtpolizei forderte die jungen Leute mehrmals von einem Balkon eines nahegelegenen Hauses auf, die Strasse zu räumen und für den Verkehr freizugeben. Die Demonstranten reagierten nicht auf diese Bitte, wurden umsomehr angeheizt weiterzumachen. Das Organisationskomitee der Kundgebung, Unheil voraussehend, versuchte die Demonstranten zu bewegen, auf die Sechseläutenwiese am Bellevue auszuweichen, um dort symbolisch ein "Altersheim für die Jugend" zu bauen. Der Aufruf schien befolgt zu werden; als ein Teil der Jugendlichen den Platz bereits geräumt hatten, griff die Polizei aus dem Innern des Gebäudes stürmend ein. Es kommt zum sogenannten Globuskrawall.

Bilder des Globuskrawalls Teil 1 (147kb)
Bilder des Globuskrawalls Teil 2 (179kb)  
Bilder des Globuskrawalls Teil 3 (194kb)  

Die Gesetzeshüter gingen aggressiv mit Knüppeln, Fäusten und Wasserwerfern gegen die Menschenmenge vor. Sie wollten nun den Platz mit Gewalt räumen. Die Jugendlichen antworteten auf diese Massnahme mit Pflastersteinen, Zierpflanzenkübeln, Flaschen, kleinen Dolendeckeln, Ketten, Eisenstücken, aus Kabinen herausgerissenen Telefonhörern, den mitgebrachten Baumaterialien und anderen harten Gegenständen. Die Kämpfe fanden auf dem Bahnhofplatz, auf der Bahnhofbrücke und am Bellevue statt.

Während der Nacht vom 29. auf den 30. Juni 1968 lieferten sich Jugendliche und die Polizei Strassenschlachten, wie sie seit Jahrzehnten in Zürich nicht mehr stattgefunden haben. Polizeibeamte prügelten und schikanierten "in eigener Kompetenz" Jugendliche, von denen sie "annahmen", sie hätten gegen das Gesetz verstossen.

Das traurige Ergebnis des Zürcher Globus-Krawalls am Sonntagmorgen:

·41 Personen verletzt (19 Demonstranten, 15 Polizisten, 7 Feuerwehrleute)
·169 Festnahmen (davon waren 55 Personen noch keine 20 Jahre alt)
·der Verkehr war in den Bereichen des Bahnhofs und des Bellevues stundenlang zum Erliegen gekommen
·Sachbeschädigung

Krawall-Bilanz (122kb)

Während den zwei darauffolgenden Nächten kam es noch zu weiteren Demonstrationen, die jedoch nie das Ausmass des Globus-Krawalls hatten.

Zeitungsartikel Teil 1 (139kb)
Zeitungsartikel Teil 2 (177kb)
Zeitungsartikel Teil 3 (139kb)
Zeitungsartikel Teil 4 (131kb)