vorgeschichte in zürich
der grundlegende gedanke der jugendlichen
vorgeschichte
der grundstein zu den 68ern
die 68er in zürich
der grundlegende gedanke der jugendlichen
Für Zürich möchte ich etwas vorweg nehmen: Wir müssen hier zwei wichtige Themen trennen. Auch in der Stadt Zürich protestierten Jugendliche gegen die gesellschaftliche Ordnung, gegen den Wohlstand etc. Dies war ein globaler Gedanke der Jugendlichen und war natürlich auch in Zürich stark vertreten.

Ein anderer wichtiger Punkt für diese Zeit in Zürich war, dass die Jugendlichen ein autonomes Jugendhaus wollten, in welchem Sie ihre Kreativität ausleben konnten. Ein Haus, wo sie über ihre Ideen und Gedanken diskutieren konnten.

Es gibt also zwei wichtige Themen:

·das globale Verlangen, etwas zu ändern
·der "örtliche" Wunsch, ein Jugendhaus zu erhalten
vorgeschichte
Kurz nach dem Ende des 2. Weltkrieges begannen in der Öffentlichkeit zaghafte Diskussionen über das Thema, ein Jugendhaus zu errichten. Es wurden erste parlamentarische Vorstösse unternommen, welche aber bei den Bürgern Ängste vor einer selbst bestimmenden Jugend weckten. Somit wurde dieses Thema wieder beiseite geschoben.

Drei Jahre später (1949) wurde der VZJ "Verein Zürcher Jugendhaus" gegründet mit dem Ziel und Zweck:

"...die Schaffung und der Betrieb eines Jugendhauses in der Stadt Zürich, das - politisch und konfessionell neutral - allen Jugendlichen und Jugendverbänden zur Gestaltung der Freizeit zur Verfügung steht."

Der VZJ fragte die Stadt Zürich an, ob sie ein leerstehendes Schulhaus in ein Jugendhaus umgestalten könnten. Die Behörden lehnten diese Antrag ab mit der Begründung, dass dieses Areal bereits einer anderen Unternehmung für einen Neubau zur Verfügung gestellt worden sei.

Der "Verband Zürcher Jugendhaus" akzeptierte diesen Entscheid und erarbeitete ein neues Projekt. Für die folgende Antwort benötigte die Regierung jedoch 1 Jahre:

"Es kann in absehbarer Zeit keine Zusage gemacht werden", der Stadtrat sichere dem Jugendhaus aber weiterhin seine volle Unterstützung zu. Nach 8 Jahren wurde dem Wunsch der Jugendlichen wieder nachgegangen. Dem VZJ wurde 1959 das "Drahtschmiedli", eine (Abbruch-) Liegenschaft, als "Provisorium für den Betrieb einer Begegnungstätte" zur Verfügung gestellt.

Stadtplan (119kb)

Knapp 20 Jahre später, im April '67 macht der Leiter des Provisoriums Drahtschmiedli, sowie andere Vertreter von verschiedenen Jugendorganisationen, einen Vorstoss zur Errichtung eines Jugendzentrums im sogenannten "Globusprovisorium", das auf der Bahnhofbrücke zwischen dem Hauptbahnhof und dem Central stand, in welchem heute der Coop ist. Das Warenhaus Globus sollte im Herbst '67 aus dem Provisorium an der Bahnhofbrücke in einen Neubau übersiedeln, da später das Provisorium abgerissen werden sollte. Bis im Sommer '68 nimmt der Stadtrat zu keiner der verschiedenen Initiativen zugunsten eines neuen Jugendzentrums Stellung.
der grundstein zu den 68ern
Am 14. April 1967 lockte eine Musikgruppe über zehntausend Jugendliche ins Hallenstadion in Oerlikon. Die Rolling Stones gaben ein Monsterkonzert. Motiviert durch die Songs und überzeugt von ihren Anliegen lieferten sich fanatisierte "Stones-Fans" und die Polizei eine Strassenschlacht, in der die Polizei unverhältnismässig hart vorging. Das Ergebnis: Verletzte, Verhaftete, zu Bruch gegangenes Mobiliar sowie ein Misstrauen resp. eine Aggression der Jugendlichen gegenüber den Gesetzeshütern. Als Folge der Schlägerei gab daraufhin die "Antiautoritäre Junge Sektion der Partei der Arbeit" ein popig aufgemachtes Flugblatt heraus, in dem es unteranderem hiess:

Flugblatt (74kb)
die 68er in zürich
Tausende von Jugendlichen pilgerten am 31. Mai 1968 wiederum ins Hallenstadion, um ein Konzert von Jimmi Hendrix und weiteren Musikbands anzuhören. Nach dem Konzert kam es wie 13 Monate zuvor erneut zu einer Auseinandersetzung zwischen den Konzertbesuchern und der Polizei.
Diesmal flogen nicht nur Steine, Stühle, Flaschen und Eier; die Polizei schlug mit Knüppeln auf die Randalierer ein, und die Polizeihunde halfen ebenfalls tatkräftig mit. Die Schlacht endete mit Armbrüchen, Hirnerschütterungen und Hundebissen, welche teilweise eine Spitalbehandlung nach sich zogen.

2 Wochen später organisierte die Vereinigungen "Fortschrittliche Arbeiter, Schüler und Studenten" kurz FASS eine Demonstration gegen das Verhalten der Polizei auf dem Hirschenplatz im Niederdorf. In einem "Schauprozess" sollte der "unbekannte Polizist" von einem "Volksgericht" abgeurteilt werden. Zeugen aus dem Volk sollten ihre Klagen vorbringen können. Nach dieser Demonstration wollten sie dann auch das Globusprovisorium besetzen.

In einem Interview des Tages-Anzeigers mit führenden FASS-Mitgliedern gaben sie folgenden Kommentar zu ihren Zielen und ihren Ideen ab:

Sie wollen klarmachen, dass die Herrschenden nicht in der Lage oder nicht gewillt seien, der Jugend einen Saal oder ein Haus zur Verfügung zu stellen, wo sie in Selbstverwaltung ihre Kultur pflegen, diskutieren und politisieren dürfen. Es sei klar, dass der Strassenverkehr mit dieser Demonstration gestört werde. Es gehe aber um die Frage, was wichtiger sei: Diskussion und Demokratie auf der Strasse oder Ruhe und Ordnung. Die Störung von Ruhe und Ordnung sei ein Mittel, das man bewusst anstrebe. Sie schlössen Gewalt nicht in jedem Sinne aus, lehnen jedoch Zerstörung sowie Angriffe auf ältere Leute grundsätzlich ab. Die Massnahmen der FASS richte sich nach dem, was die Polizei unternehme. Sie würden sich von der Polizei nicht alles gefallen lassen. Sie wollen die Demonstration nicht manipulieren. Es sei gut möglich, dass es anders herauskomme, als sie wollen. Für allfällige Tätlichkeiten werde keine Verantwortung übernommen...

Die Demonstration verlief ohne grosse Zwischenfälle, ausser einer Verkehrsbehinderung im Raum Central. Der Stadtrat hatte provisorisch ebenfalls das Globus-Provisorium für einige Tage an die Jugendlichen freigegeben. Die Polizei trat nicht in Erscheinung. Der Erfolg dieser Demonstration war einigen Jugendlichen etwas in den Kopf gestiegen und da die gemässigten Leute der FASS und einer weiteren Organisation namens "Aktion Autonomes Jugendzentrum" sich gegen die Mehrheit nicht durchsetzen konnten, wurde ein Ultimatum an den Zürcher Stadtrat erstellt. Es enthielt folgende Forderungen:

·Bereitstellung des Globus-Provisoriums oder eines entsprechenden Gebäudes im Stadtzentrum bis zum 1. Juli, ansonsten der Globus besetzt und zu "unserem Kultur-, Gesellschafts- und Freizeitzentrum" ausgebaut werde.
·Mitsprache- und Mitbestimmungsrecht im Verhältnis 1:1.
·Von den Behörden eine absolut unabhängige Verwaltung und Organisation durch die Jugend.

Am 22. Juni verhandelte eine Delegation des Stadtrates mit den Jugendlichen. Sie boten Ihnen Unterkünfte an, welche sich jedoch am Stadtrand befanden. Gleichzeitig gaben Sie bekannt, dass das Globusprovisorium auf der Bahnhofbrücke nicht in Frage komme, da man schon langfristige Verträge mit der "Eidgenössischen Technischen Hochschule" (ETH) und dem "Lebensmittelverein Zürich" (LVZ) abgeschlossen habe. Auf das gestellte Ultimatum ging der Stadtrat nicht ein und eine weitere Besprechung wurde um eine Woche verschoben.

Drei Tage später rief die "Aktion Autonomes Jugendzentrum" erneut zu einer Demonstration vor dem Globus Provisorium auf, mit der Erklärung, man wolle den Stadtrat unter Druck setzen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich eine Mehrheit des Stadtrates den berechtigten Anliegen der Jugendlichen offen gezeigt. Mit dieser Demonstration wurden aber die meisten im Stadtrat umgestimmt und man liess das Globusprovisorium vor unberechtigten Betreten polizeilich schützen.
Für weitere Verhandlungen liess man ein Grundstück bei der Hofwiesen-/Wehntalerstrasse räumen. Später könne man auf diesem Grundstück auch ein Jugendzentrum bauen.

Stadtplan (119kb)

Nun wiesen die FASS und die "Aktion Autonomes Jugendzentrum" dieses Angebot zurück, um auf ihrer Seite wieder Beliebtheit zu schaffen.